Floating

Modern Living Style XI aka „floating“

Shohin: Wein und Schwarzkiefer

… um zu sehen, warum Tische bei einer Präsentation eingesetzt werden, muss man sie weglassen.

Similarity

Modern Living Style X aka „similarity“

Shohin: Weigelia Florida. Aus einer Baumschulpflanze seit 2014 entwickelt. Schale von Thor Holvila.

  • Beisteller ist auch eine Weigelia Florida
  • ähnliche Schalenfarbe bei Baum und Beisteller
  • gleiche Farbe bei Tisch und Unterleger
  • ähnlich glatte Oberfläche bei Tisch und Unterleger

Similarity

Chrome II

Modern Living Style IX aka „chrome II“

Titel: „chrome II“
Stil: Penjing
Präsentations-Stil: Modern Living Style
Schale: Verchromter Beton

Präsentiert auf der „5. BCB und Freunde“ am 13./14.05.2017

2^2

Modern Living Style VIII aka „2^2“

Titel: „2^2“
Stil: Shohin Display
Präsentations-Stil: Modern Living Style
Schalen: Walter Venne

Zwei Shohin aus den Bergen, zwei aus dem Flachland. Vier Schalen, vier Tische. 

Präsentiert auf der „5. BCB und Freunde“ am 13./14.05.2017

Bonsai in 3D

Oft genug bekommt man in Foren zu hören: „den Baum kann man auf einem Foto nicht beurteilen, den müsste man schon live in 3D sehen“. Deshalb habe ich angefangen Bilder meiner Bonsai und auf Ausstellungen in 3D zu machen, als sog. Anaglyphen.

Anaglyh Fotos kann man entweder mit einen sog. Stereo-Schlitten mit einer Kamera schiessen (die Kamera wird dann im Augenabstand von ca. 5,5 bis 7,5cm hin- und hergeschoben) oder mit zwei fest montierten Kameras. Die ersten Bilder habe ich mit einem Stereoschlitten fotografiert, bin damit aber nicht wirklich zufrieden, da der Schlitten schon recht wackelig ist und einem die horizontale Ausrichtung immer verrutscht. Das muss dann erst mit einem Grafik-Programm wieder korrigiert werden, passt nicht immer.

Betrachtet werden Sie mit einer Rot/Blau-Brille (Rot ist links, Blau ist rechts).

3D Anaglyph Brille
3D Anaglyph Brille

 

Chrome

Modern Living Style VII aka „chrome“

Titel: „chrome“
Stil: streng seitwärts
Präsentations-Stil: Modern Living Style
Schale: Chromvase und Schieferplatten
Beisteller: Chromobjekt
Alter (geschätzt): 10 Jahre
Höhe ab Schalenkante: 24cm

These:
Bonsai benötigen Bewegung

Antithese:
Kommt auf den Baum an

Beweis:
Das „Highlight“ des Baumes ist der verzwirbelte und sehr gerade Doppelstamm. Deshalb wurden die Äste und Zweige immer wieder so gestellt, dass sowohl Winkel als auch jeder Ast und Zweig möglichst gerade und zueinander gleich sind.

QED

Deadwood

Modern Living Style VI aka „Deadwood“

Titel: „Deadwood“
Stil: frei
Präsentations-Stil: Modern Living Style
Schale: Auflaufform (dänisches Design)
Beisteller: Plastikrabe
Alter: nicht bekannt
Höhe ab Schalenkante: 18cm

 

shabby chic

Modern Living Style V aka „shabby chic“

Titel: „shabby chic“
Stil: frei
Präsentations-Stil: Modern Living Style (Landhaus)
Schale und Beistellerschale: Naturstein (Eisenstein von Volker Maiwald)
Beisteller: Irish Moos
Alter (geschätzt): 18 Jahre
Höhe ab Schalenkante: 19cm

Unterlegt mit Linolium (im Holzlook mit Aufdrucken aus Fassdauben verschiedener Alkoholika) auf einem Tisch aus vermodertem, zwei Wochen in gutem irischem Whiskey gelagertem Holz und einem Kupferrohrgestänge wurde die Präsentation auf dem 5.ten Sommerfest des Bonsai Fachforums am 17./18.6.2016 wie oben gezeigt.

Bonsai-Lärchen-Schnaps. Eine olfaktorische Präsentation sozusagen …

this mortal coil

this-mortal-coil-4

Bonsai kann ich nicht mehr nur als Baum-in-Schale sehen. Für mich ist die Gesamt-Präsentation enorm wichtig geworden, es spielen Kultur, Wohnstil, Design, Musik, Geschichten, Bedeutung und Aussage und der persönlicher Geschmack zusammen. Dadurch entsteht eine Zielsetzung, die mit der üblichen Bonsai-Tradition einfach nicht zu vereinbaren ist. Holztische sind mir irrelevant geworden. Reife kann irrelevant werden. Nebari, Verjüngung und Verzweigung kann irrelevant werden. Es zählt nur noch die Konzeption mit deren Hilfe der Baum zur Aussage wird.

Obwohl dieser Baum noch sehr jung ist, hat die finale Präsentation eine längere Geschichte.

Als eine private Sammlung 2013 in Berlin via ebay aufgegeben wurde, fand sich dort auch eine gekringelte Lärche. Diese Gestaltungsform nennt man Bankan-Stil und symbolisiert im Japanischen den Drachen. Ohne groß sichtbares Nebari (aber gerne mit einer sich noch einmal herausreckenden Wurzel als „Schwanz“) und nur mit wenig Laub wurde der Baum seither weiterentwickelt, stand kurzzeitig in einer grün glasierten Nanban-Schale und sah an sich ganz nett aus.

Gleichzeitig erwähnte in einem Forum jemand die Idee, wie ein Baum verkehrt herum wachsen könnte und skizzierte dazu einen recht komplizierten Holzrahmen. Seit 2014 experimentiere ich wiederum mit Tischen und Regalen aus den verschiedensten „anderen“ Materialien. Plastik, Beton, Stahl, Kupfer und eben auch Acrylglas. Der Ständer ist  ein Regenschirmständer aus Plexiglas GS, leicht umgebogen, um die richtigen Winkel zu haben. Eigentlich wollte ich im oberen Loch eine Trichterschale versenken und den Beisteller darunter platzieren …

Und dann kommt irgendwann dieser wunderbare Moment, wenn der entscheidende Funke überspringt. Das Zünglein an der Waage. Der „Groschen fällt“. Man sieht ein weiteres, neues Teilstück und aus den hunderten Ideen und Bruchstücken, die einen umtreiben, es kristallisieren sich plötzlich einige wenige heraus und bilden ein zusammenhängendes Ganzes. Das Bild komplettiert sich und wird größer als seine Teilstücke.

Das letzte Puzzleteil waren hier die aus dunklem, nordischen Ton gefertigten Totenkopfschalen, die Thor Holvila, von dem ich schon einige Schalen besaß und mir auch schon welche hatte anfertigen lassen und deren wilde Ursprünglichkeit ich sehr schätze, im Frühjahr 2016 erstmals präsentierte. Ich lies mir sofort eine in der richtige Größe anfertigen.

Der Trick bei der Schale ist das nachträglich eingepasste Innenleben zur Befestigung von Baum und Moos. Ohne sichtbaren Draht kann der Baum normal in der Schale fixiert und gepflegt werden und bei einer Präsentation wird er einfach verkehrt herum aufgehängt. Das normalerweise extra „nach-unten-drahten“ der Zweige entfällt, umgedreht steht das normalerweise nach oben wachsende Laub dann wirklich nach unten und bildet die Flügel und die Schwanzflossen des Drachen. Beim Drahten der Zweige muss man jedoch mehrfach „verdreht“ denken.

Nun hatte ich also: eine Totenkopfschale, einen Baum im Bankan-Stil, einen Drachen, einen Plexiglasständer im Modern Living Style, der bei der richtigen Beleuchtung und dem richtigen Hinter- und Untergrund fast unsichtbar wird und die praktische Umsetzung des hängenden Baumes.

Modern Living Style IV aka „this mortal coil“

Titel: “this mortal coil”
Stil: Bankan-Stil, hängend, „a face to face the audience“
Präsentations-Stil: Modern Living Style
Schale und Beistellerschale: Thor Holvila Alter (geschätzt): 9 Jahre
Höhe ab Schalenkante: ca. 18cm
Gesamte Höhe der Präsentation: ca. 60cm

Der Baum wurde auf der Jahresausstellung des Bonsai-Club Deutschland (BCD) am 4/5.6.2016 in Leipzig und auf dem Sommerfest des Bonsai Fachforums am 17./18.06.2016 in Lippstadt wie folgt präsentiert.

„This Mortal Coil“ ist nicht nur der Name einer meiner alten Lieblingsbands (mit dem engelsgleichen Gesang der Elizabeth Fraser), deren Musik als Soundtrack zu der Gestaltung nicht besser passen könnte (insbesondere „Song To The Siren“), sondern bedeutet wörtlich übersetzt: “Diese sterbliche Spirale”, eine gute Beschreibung des Baumes. Zusätzlich ist der Name aber auch ein Sprichwort und bedeutet soviel wie “Die Mühsal allen Irdischen”. Der Baum, der sich ins Leben winden musste. Entwicklung aus dem Vergänglichen. Im Bankan-Stil wiederum entflieht der Drache der Höhle. Das Lebende erwächst aus dem Toten. Im Englischen wird der Bankan-Stil wiederum „coil style“ genannt und „coil“ übersetzt man wiederum mit „Wicklung, Windung oder sich schlängeln“.

Der Kreis von Name, Gestaltung, Präsentation und Aussage ist somit auf mehreren Ebenen, Kulturen, Sprachen und anderen Künsten miteinander verwoben und wieder in sich geschlossen.

Video „this mortal coil – Song To The Siren“

 

… bei Mauro

(das Folgende ist jetzt nicht wirklich modern. Es sieht so aus, als ginge ich einen Schritt zurück, aber das ist Anlauf nehmen)

Da ist das Jahr 2015 kaum vorbei und wupp, ist schon Mai. Mein Mai war etwas sehr besonderes. Nach 2 Tagen wildem Serpentienenfahren und Schlängeleien durch furchtbar enge Bergdörfer sowie einem Besuch beim wohl extravagantesten „Stein- und Knochenmaler“ kam endlich Arco, und danach ?
file-1
file-2
file-3
Mauro Stemberger hatte ich fast ein Jahr vorher kontaktet und nach einem Long-Term-Workshop gefragt. Er ist fast 250 Tage im Jahr unterwegs, doch die Woche nach Arco passte perfekt. Er hat knapp 20 Schüler, die ab und zu vorbeikommen, aber nach 3 Schülern aus der ganzen Welt und einer Deutschen war ich erst Schüler Nr. 5 für eine Woche. Hab ihn dann am Sonntag abend getroffen und mich an seine Fersen geheftet, was bei einem typisch italienischen Fahrstil und weiteren nächtlichen Bergstrassen gar nicht so einfach war.

Die Chemie hat sofort gestimmt. Mauro nimmt seine Techniken sehr Ernst und ist extrem exakt, manchmal gibt es „Shiiitt wire“ und ein“what are you doing ?“, gleichzeitig ist er locker, modern und wirklich lustig und nimmt den Rest des Lebens eben oft auch nicht so ganz wichtig. „It’ll do rightly“. Passtscho.

Einquartiert im urigen Berghaus seiner Mutter ging es am ersten Morgen ins Haus mit Werkstatt, wo er auch seine Ausstellungsbäume vorbereitet. Kinnlade gaaaanz tief unten.

file-4

file-5

file-6

file-7

Tag 1: Drahten. Grundlagen und Regeln des Drahten. Theorie. Dann Übungsäste. Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 3, bis sich eine Mischung aus Kupferpatina, Harz, Blut und Schweiss in jeder Pore festgesetzt hatte. Ging die nächsten Tage auch nicht mehr ab und war nur durch Jin-Mittel zu überlagern. Gelbsucht an den Fingern. Ja, geht.

Tag 2: Nr. 4 drahten. Vom Meister abgenommen und für gut befunden durfte ich dann an seine Bäume …

file-8

… Unkraut zupfen, Jins anmalen, umtopfen. Pinzieren, wieder Jins anmalen, Kerzen schneiden. Drahten, stellen, einfach alles. Von morgens um 8 bis abends in die Nacht.

file-9
file-10

Tag 3: Bei einem Besuch in der (auch Bonsai-) Gärtnerei eines Freundes durfte ich mir meinen Projektbaum aussuchen und von Grund auf bearbeiten. Die Sabina sprang mich geradezu an. Wieder Unkaut, reinigen, bürsten, Jin-Mittel. Alles ab, was doof ist, erste Stellprobe. Raffia, Tape. Drahten. Mit 4mm Kupfer angefangen. Doppelt !

file-11
file-12
Tag 4: meine Sabina fertig drahten. Bei 0,5mm angekommen. Der Meister macht die grosse Biege und überarbeitet mein „Stellen“. Voila.
file-13
file-14

Tag 5: ein Besuch auf 2000m im Yamadori-Land. Der Rest des Tages klang dann noch mit Totholzarbeiten, Pflege und wie an jedem Tag lecker Essen von Mama bzw. im Restaurant aus. Bestes Bier, Hausgemachtes, Sushi und die wohl beste Pizza der Welt. Am nächsten Tag mit der Sabina auf dem Beifahrersitz die 1000km nach Hause gezuckelt. Glücklich und völlig überwältigt wird jetzt Pfingsten genutzt, um das alles zu verdauen.

file-15
file-16
Jederzeit wieder.